Die Klimakrise ist die größte Krise unserer Zeit.
Naturwissenschaftlich betrachtet ist sie das wohl. Wobei die Biodiversitätskrise, die häufig mitgemeint wird, aber genau genommen eine Krise für sich ist, das Potenzial hätte, ihr den Rang abzulaufen.
Nun denn. Weder um die eine noch um die andere kümmern wir uns gerade ausreichend.
Aber woran liegt das?
Vielleicht daran, dass uns vor lauter Krisen schon ganz schwindelig ist und wir gar nicht mehr wissen, um welche wir uns zuerst sorgen sollen? Geschweige denn etwas dagegen tun?
- Klimakrise: Das Klima eskaliert. Unübersehbar. (Und nein, der jüngste Sachstandsbericht des IPCC, in dem das Worst Case Szenario als unwahrscheinlich eingestuft wird, ist keine Entwarnung, denn sie zeigt lediglich, dass der bislang schon umgesetzte Klimaschutz hilft. Dass wir also dort, wo wir mit dem Handeln angefangen haben,auf dem richtigen Weg sind. Mehr nicht.)
- Planetare Grenzen und Biodiversitätskrise: 7 von insgesamt 9 planetaren Belastbarkeitsgrenzen sind bereits überschritten, darunter auch Biosphäre und Biodiversität, also das Artensterben.
- Demokratiekrise: Demokratien in aller Welt werden von autokratischen Kräften angegriffen. Die Vorzeigedemokratie USA ist bereits gefallen.
- Wohnungskrise: Wohnungsnot ist allgegenwärtig. Immer häufiger verzichten Menschen aufs Umziehen, weil Wohnungen nur noch mit jahr(zehnt)e alten Mietverträgen bezahlbar sind. Eine bezahlbare Familienwohnung ist schwieriger zu finden als ein Psychotherapieplatz. (Und damit wären wir ja eigentlich schon in der nächsten Krise.)
- KI-Krise: Massenentlassungen und gewaltige Umwälzungen im Arbeitsmarkt, massive Umweltschäden und Energiehunger durch überdimensionierte Data Center – was die Tatsache, dass Tech-Milliardäre ihre KI-Modelle in alles hineinzwängen wolle, mit unserer Welt machen wird, ist noch gar nicht absehbar – die KI-Krise macht sich gerade erst warm für den großen Schlag.
- Bildungskrise: Und eng damit verknüpft sorgt eine Bildungskrise dafür, dass junge Menschen nicht mehr ausreichend ausgebildet werden, und im Dschungel dieser Krisenwelt zunehmend sich selbst überlassen sind.
- Und nicht zuletzt: Krieg. Nicht nur in der Ukraine herrscht Krieg – der ist nur am nächsten dran. Im Sudan, im Kongo, in Myanmar und auch in Gaza sterben täglich Menschen durch Kriegshandlungen. Und das ist nur eine kleine Auswahl der bewaffneten Konflikte weltweit.
Puh. Kaum auszuhalten, oder? Vielleicht fallen dir sogar noch mehr Krisen ein. Wie gut, dass es dafür immerhin schon einen Begriff gibt: Wir stecken in der Polykrise.
Und was nun?
Wer Nackenschmerzen und Schwindel bekommt, weil er sich ständig von einer Krise zur anderen umdreht, dem hilft nur, sich auf eine andere Ebene zu begeben und die Krisen von oben zu betrachten. Denn dann erkennt man die vielen Verzahnungen und Verknüpfungen zwischen alldem. Man erkennt, dass alles mit allem zusammenhängt. Dass Massenentlassungen, Preissteigerungen und Wohnungsnot eine explosive Mischung bergen. Dass Menschen sich zu Recht um ihre eigene Zukunft sorgen. Dass die zunehmende Erderhitzung immer mehr Menschen dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Und dass Klimaschutz in autokratischen Staaten sofort unter die Räder kommt.
Ohne Demokratie kein Klimaschutz
Der Erhalt der Demokratie ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass wir die Klimakrise eindämmen können. Der Blick in eine beliebige Autokratie der Welt zeigt das.
Und das gilt auch andersherum: Je mehr sich die Klimakrise auf unseren Alltag auswirkt, je mehr sie Migration, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und andere Stressoren anheizt, umso anfälliger werden Demokratien für autokratische Angriffe.
Klingt nicht gut. Lässt sich das noch lösen?
Ja. Auf jeden Fall. Denn genauso wie die Krisen miteinander zusammenhängen, tun es auch die Lösungen. Wir wissen eigentlich ziemlich genau, dass Ungerechtigkeit, soziale Abstiegsangst, Zukunftsängste, Einsamkeit und Ohnmachtsgefühle Menschen anfällig für autokratische Versprechungen machen. Wir wissen, dass die Ursachen für viele dieser Faktoren in Ungerechtigkeit liegen. Dass ungerecht verteilte Macht gleichzeitig eine der Hauptursachen für die Klimakrise ist. Und dass es Lösungen gibt. Wir picken mal die drei aus unserer Sicht wichtigsten heraus:
Vermögensgerechtigkeit
Vermögen und Ressourcen sind genug da. Sie müssen nur gerecht verteilt werden. Wenn wir mit Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und anderen regulierenden Mechanismen eingreifen, können wir Machtmissbrauch durch Überreichtum verringern und gleichzeitig das Geld dort investieren, wo es gebraucht wird. Im Gesundheits- und Bildungssystem, in der sozialen Sicherung, in der Bildung und natürlich im Klimaschutz. (Mehr dazu, was die Vermögenssteuer mit Klimaschutz zu tun hat.)
Soziale Gerechtigkeit
Klimaschutz muss immer im Kontext von Klimagerechtigkeit gedacht werden. Nicht nur global betrachtet (es ist extrem ungerecht, dass der globale Süden schon heute deutlich stärker unter den Auswirkungen der Krise leidet als wir zum Beispiel in Europa), sondern auch z.B. innerhalb Deutschlands. Menschen, die sich von der Gesellschaft alleine gelassen fühlen, haben wenig Verständnis dafür, wenn sie für Klimaschutz noch mehr zur Kasse gebeten werden. Maßnahmen für mehr Klimaschutz sollten (und können) deshalb immer mit sozialer Gerechtigkeit im Hinterkopf gedacht werden. Ein großartiges Beispiel dafür war das 9-Euro-Ticket, das soziale Gerechtigkeit mit nachhaltiger Mobilität verknüpft hat. (Ein Tankrabatt hingegen macht das exakte Gegenteil, sowohl auf sozialer als auch auf ökologischer Ebene.)
Selbstwirksamkeit
„Keine Macht der Ohnmacht“ ist der Titel eines der Bücher, die mich in den letzten Monaten am meisten beflügelt haben. Soziologe Matthias Quent zeigt darin, dass Ohnmachtsgefühle zu den größten Gefahren für die Demokratie gehören. Und dass man ihnen mit Erfahrungen von Selbstwirksamkeit begegnen kann – und seien sie noch so klein. Menschen miteinander ins Handeln zu bringen, mit kleinen Schritten, die langfristig und in der Masse große Wirkung erzielen, ist deshalb eines der wirksamsten Mittel gegen Ohnmacht – und auch gegen Einsamkeit.
Das wichtigste ist also, ins Handeln zu kommen. Ideen für kleine und große Schritte, die wir alle gemeinsam tun können, findet ihr in unserer Rubrik „Zukunftsschritte“.
Moment, Zukunftsschritte? Hieß die nicht mal Klimaschritte? Stimmt. Und an manchen Stellen tun sie das immer noch. Wir haben aber beschlossen, unsere Perspektive zu weiten und über den Klimaschutz hinaus zu schauen. Denn es geht nicht ums Klima. Es geht um ein gutes Leben für alle. Um eine bessere Zukunft.
Und wir weigern uns, den Glauben daran aufzugeben, dass diese bessere Zukunft möglich ist. Was ist mit euch?
Gemeinsam sind wir stärker.
Du möchtest anderen davon erzählen und sie motivieren, mitzumachen?
Dann teile einfach unser SharePic in deinem Messenger – oder wo auch immer du Menschen erreichst.
Los geht’s!
Headerbild: Greg Rosenke via Unsplash
- Warum wir Klimaschutz und Demokratie zusammen denken müssen - 5. Juni 2026
- Fahr mit bei der Critical Mass - 29. Mai 2026
- Kurz mal raus? Kurzurlaub, aber klimafreundlich. - 22. Mai 2026
Veröffentlicht oder zuletzt aktualisiert am 05.06.2026





