Du magst es kurz?
Unter den Folgen einer männerdominierten, fossilen Welt haben Frauen* besonders zu leiden. Warum wir mehr Geschlechtergerechtigkeit und mehr feministische Politik brauchen.
Darum geht‘s
- Frauen sind stärker von Klimakatastrophen betroffen
- Der Klimawandel verschärft Gewalt gegen Frauen
- Die (fossil dominierte) Welt ist für Männer gemacht
- Frauen leben klimafreundlicher
- Fossiler Reichtum ist männlich
- Frauen machen bessere (Klima)Politik
- Wir brauchen Geschlechtergerechtigkeit
Die Klimakrise ist nicht nur eine ökologische Krise. Sie ist auch eine Gerechtigkeitskrise.
Denn die, die schon heute am stärksten unter Klimafolgen leiden, haben am wenigsten dazu beigetragen. Die Hauptverursacher dagegen können sich am besten vor den Ursachen schützen. Noch.
Diese enorme Ungerechtigkeit zieht sich nicht nur durch Länder, Regionen und Vermögensklassen. Sie verläuft auch zwischen den Geschlechtern. Und das gleich auf mehreren Ebenen.
Wenn wir in diesem Artikel von Frauen sprechen, schließen wir ausdrücklich und selbstverständlich trans* Frauen genauso mit ein wie andere queere Menschen, die in der Gesellschaft typische Frauenrollen einnehmen.
Frauen sind stärker von Klimakatastrophen betroffen
Immer wieder haben Studien festgestellt, dass Frauen von den Auswirkungen der Klimakrise stärker betroffen sind als Männer. Das berichtete zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft der Vereinten Nationen schon 2016. Vor allem in Entwicklungsländern haben Frauen weniger Möglichkeiten, auf Veränderungen durch die Erderwärmung oder auf immer häufigere Naturkatastrophen zu reagieren. Sie haben weniger Essen, Geld und Schutzmöglichkeiten zur Verfügung, sie besitzen seltener Land, sie sind weniger flexibel in ihrem Wohnort und ihren Lebensumständen.
Wenn Naturkatastrophen geschehen, sind Frauen gerade in Ländern des Globalen Südens meist zu Hause und kümmern sich um mehrere Kinder. Dort stehen ihnen in der Regel weniger Frühwarnsysteme und weniger Schutzmöglichkeiten zur Verfügung als den arbeitenden Männern. Häufig werden sie selbst zu Opfern, während sie versuchen, Kinder, Kranke oder alte Menschen vor Fluten, Bränden oder anderen Unwetterfolgen zu retten. Und manchmal sind es scheinbar simple Dinge wie traditionelle Kleidung oder die schlichte Tatsache, dass die meisten Frauen nicht schwimmen gelernt haben, die sie bei Überschwemmungen oder anderen Katastrophen besonders hilflos machen. Beim Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 starben aus diesen und vielen anderen Gründen viermal mehr Frauen als Männer. Und beim Zyklon Gorki 1991 in Bangladesch waren sogar 91 Prozent der Todesopfer Frauen.
Der Klimawandel verschärft Gewalt gegen Frauen
Dazu kommt, dass Krisen allgemein die Ungerechtigkeit verschärfen. Wenn alles zusammenbricht, sind Mädchen die ersten, die nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Sie werden gegen ihren Willen verheiratet und gegen Vieh getauscht, wenn die Familien durch Naturkatastrophen in Not geraten. Und auf längeren Wegen zum Wasser oder beim Einkauf von dringend benötigten Lebensmitteln sind sie sexuellen Übergriffen noch stärker ausgesetzt als sonst.
Sexuelle Übergriffe und Gewalt drohen aber auch zu Hause. Wenn Familien durch Dürren und Überschwemmungen ihre Lebensgrundlage verlieren, reagieren Männer Sorgen und Frust an ihren Frauen ab. Eine Meta-Studie aus dem Jahr 2022 kommt zu erschreckend stabilen Zusammenhängen zwischen Extremwetterereignissen und genderbasierter Gewalt. Und eine weitere internationale Studie hat diesen Zusammenhang mit Zahlen unterfüttert: Mit jedem Grad, um das die Durchschnittstemperatur steigt, nimmt physische Gewalt um 8 Prozent, sexualisierte Gewalt um 7,3 Prozent zu.
Es geht noch weiter: Wenn Frauen sich als Umweltaktivistinnen betätigen, werden ihnen gezielt Vergewaltigungen angedroht, um sie einzuschüchtern und ihre Position in der Gesellschaft zu schwächen.
Die (fossil dominierte) Welt ist für Männer gemacht
Ungerechtigkeit fängt aber schon bei viel harmloseren Themen an. Zum Beispiel bei der Stadt- und Verkehrsplanung. Frauen nutzen mehr öffentliche Verkehrsmittel, fahren mehr Fahrrad und gehen mehr zu Fuß. In Haushalten mit einem Auto fährt dies meist der Mann. Dabei ist weibliche Mobilität deutlich komplexer als die männliche, die hauptsächlich aus der Fahrt zur Arbeit und zurück besteht. Vor allem Frauen bringen Kinder zur Schule, pflegen Angehörige und gehen einkaufen: Care-Arbeit ist zu 76,2 Prozent weiblich. (Quelle: Katja Diehl, Autokorrektur)
Wenn Städte für Autos gebaut sind, bedeutet das also gleichzeitig: Sie sind für Männer gebaut. Die Fokussierung auf Männer geht aber noch weiter. Denn auch wenn den ÖPNV mehr Frauen als Männer nutzen, orientiert er sich am Bedarf klassischer Pendler*innen und nicht am Bedarf, der durch Care-Arbeit entsteht. So sind die meisten Routen sternförmig angelegt und verbinden die Außenbezirke mit dem Stadtzentrum, Viel seltener sind Routen, die einzelne Stadtteile kreisförmig untereinander verbinden. Und auch die Taktfrequenz orientiert sich an den Hauptverkehrszeiten und damit am „Berufsverkehr“. Wer zur Frühschicht muss oder am Wochenende pflegend unterwegs sein muss, kann mancherorts froh sein, wenn überhaupt ein Bus fährt.
„Automobilität ist männlich ist dominierende Mobilität.“ (Katja Diehl in Autokorrektur)
Davon, dass auch Auto-Innenräume für den Durchschnittsmann optimiert werden und die ersten an Frauenkörpern orientierten Crashtest-Dummys in den 2010er Jahren eingesetzt wurden, mal ganz zu schweigen.
(Hinter alldem steckt auch das grundsätzliche Problem der Data Gender Gap: Es gibt viel mehr wissenschaftliche Daten zu Männern als zu Frauen*. Mehr dazu könnt ihr z.B. in diesem Interview mit Caroline Criado-Perez nachlesen.)
Frauen leben klimafreundlicher
Schonmal vom Eco Gender Gap gehört? Damit bezeichnet man die Beobachtung, dass Frauen sich häufig klimafreundlicher verhalten als Männer.
Eine groß angelegte Studie kam 2025 zum Beispiel zum Ergebnis, dass Frauen in Frankreich 26 % weniger CO2-Emissionen verursachen als Männer. Unter anderem weil sie weniger Auto fahren und weniger rotes Fleisch essen. Weitere Studien legen nahe, dass der überwiegende Teil vegetarisch und vegan lebender Menschen weltweit weiblich ist (auch wenn Zahlen dazu kontrovers und schwierig zu bekommen sind). Und den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimakrise kennt ihr ja.
Da sind wir also wieder beim Thema Gerechtigkeit: Frauen sind stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen, obwohl sie weniger dazu beitragen.
Dabei ist das individuelle Verhalten gar nicht mal der größte Faktor in der Rechnung.
Fossiler Reichtum ist männlich
Wenn man einmal anfängt, genau hinzuschauen, kann man es nicht übersehen: Die Strukturen, die uns in diese Krise geführt haben, sind männerdominiert. Das Patriarchat ist Teil des Problems. Cara New Daggett hat das in “Petromaskulinität” fein seziert, und Christian Stöcker schreibt in seinem “Männer, die die Welt verbrennen” von ultrareichen Profiteuren der fossilen Brennstoffe, die uns skrupellos belogen haben, um ihren eigenen Vorteil zu sichern. Er gendert an der Stelle nicht. Aus Gründen.
Die Milliardäre dieser Welt sind überwiegend männlich. Und ein Großteil ihres Vermögens stammt direkt oder indirekt aus der Ausbeutung fossiler Ressourcen. Öl-Milliardäre waren es auch, die jahrzehntelange Desinformationskampagnen finanziert haben, um uns glauben zu lassen, das mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe sei alles nicht so schlimm.
Frauen machen bessere (Klima-)Politik
Männer haben also den Karren an die Wand gefahren – und Frauen holen ihn wieder raus? So einfach ist es sicherlich nicht. Natürlich tun Frauen nicht immer nur Gutes, wenn sie in Machtpositionen gelangen (Isolde Ruhdorfer hat sich für Krautreporter sehr ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt). Aber es ist kein Zufall, dass Länder, die von Frauen regiert werden, häufig Vorreiter beim Thema Klimaschutz sind. (Oder auch Städte. Denken wir an Paris unter der großartigen Anne Hidalgo.)
Und was sich auf den ersten Blick wie ein Klischee anfühlen mag, wird durch Studien gestützt In diversen Forschungsergebnissen lässt sich nachlesen, dass Frauen in Machtpositionen mehr Klimaschutzmaßnahmen umsetzen (und sich auch darüber hinaus für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen). Und das sowohl in Unternehmen als auch in der Politik.
Auch außerhalb aller üblichen Machtstrukturen legen Frauen beim Thema Klimaschutz deutlich mehr Engagement an den Tag. Severn Suzuki, Greta Thunberg, Xoli Fuyani, Luisa Neubauer, Vanessa Nakate (die Liste könnte ich noch endlos weiterführen): Die Klimabewegung selbst wäre ohne Frauen kaum, wo sie heute ist.
Wir brauchen Geschlechtergerechtigkeit
Genauso wie Klimaschutz nicht ohne Demokratie funktioniert, funktioniert Klimagerechtigkeit auch nicht ohne Geschlechtergerechtigkeit. Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, mehr Gleichberechtigung in der Alltagsgestaltung, ein Ende der genderbasierten Gewalt – auf der Straße genauso wie in häuslichen Situationen. Wir brauchen wahrhaft feministische Politik: Politik, die Frauenrechte und Gleichberechtigung tief in unseren Systemen verwurzelt und zum gesellschaftlichen Standard macht.
Wie wir damit anfangen können? Indem wir die Frauen feiern, die sich für Klimaschutz, Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Indem wir Frauen unterstützen, wenn sie angegriffen werden – egal ob verbal oder körperlich, ob in den Sozialen Medien oder in der Straßenbahn. Und das natürlich gemeinsam, Seite an Seite, egal, zu welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen.
Denn, seien wir mal ehrlich: #ohneunsstehtallesstill.
(Mehr zum intersektionalen Frauenstreik unter dem Motto #ohneunsstehtallesstill lest ihr nächste Woche hier in unseren Klimaschritten. Stay tuned.)
Gemeinsam sind wir stärker.
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Los geht’s!
Headerbild: Katherine Hanlon via Unsplash
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Veröffentlicht oder zuletzt aktualisiert am 06.02.2026




